Verleihung des Förderpreises 2021

an B.Sc. Cedric Jager für seine Bachelorarbeit
Einführung von Wertschöpfungsanalysen für Flurbereinigungsverfahren im Saarland

von links: Prof. Dr. Karl-Heinz Thiemann (Vorsitzender der DLKG), Prof. Axel Lorig (Laudator – im Hintergrund) und Cedric Jager (der Preisträger) von links:  Prof. Dr. Karl-Heinz Thiemann (Vorsitzender der DLKG), Prof. Axel Lorig (Laudator – im Hin­tergrund) und Cedric Jager (der Preisträger)

Die Deutsche Landeskulturgesellschaft (DLKG) hat auf ihrer 41. Bundestagung am 13. bis 15. Oktober 2021 in Wiesbaden den diesjährigen Förderpreis der DLKG an Herrn Cedric Jager vergeben. Die DLKG würdigt damit die hervorragende wissenschaftliche Leistung seiner Bachelorarbeit mit dem Thema "Einführung von Wertschöpfungsanalysen für Flurbereinigungsverfahren im Saarland".

Die Arbeit wurde von Herrn Jager im Rahmen seines Bachelorstudiums Geoinformatik und Vermessung an der Hochschule Mainz erstellt und von Ministerialrat a.D. Prof. Axel Lorig betreut.

In seiner Würdigung hob Prof. Axel Lorig, Ehrenmitglied der DLKG, die besondere Bedeutung der Bachelorarbeit für die Wertschöpfungsanalysen in der Flurbereinigung hervor und erläuterte, dass bereits kurz nach Inkrafttreten des Flurbereinigungsgesetzes zum 1. Januar 1954 von Prof. Hermann Priebe anhand von acht Beispieldörfern eine einfache landwirtschaftlich ausgerichtete Methode entwickelt wurde, die es erlaubte, den monetären Erfolg von Flurbereinigungsverfahren abzuschätzen. Dem folgten langjährige Versuche, die umfassenden Wirkungsgefüge der Flurbereinigung zu identifizieren und den Nutzwert der Flurbereinigung zu berechnen, die aber leider nicht erfolgreich in die Praxis eingeführt werden konnten. An den daran anschließenden neuen Vorgehensweisen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen gemeinsam mit der betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich ausgerichteten Firma BMS hatte das Saarland keinen Anteil.

Da aber für Maßnahmen der öffentlichen Hand von großer finanzieller Bedeutung seit 1964 Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen nach Haushaltsrecht zwingend durchzuführen sind und nach den Praxiseinführungen der Wertschöpfungs- und Wirkungsbewertungen durch BMS in verschiedenen Bundesländern weitere einschlägige Wertschöpfungs- und Wirkungsanalysen insbesondere von Prof. Dr. Otmar Seibert und Dr. Silvia Arabella Hinz vorgelegt wurden, stellte sich die Frage, ob aus dem Gesamtergebnis dieser Untersuchungen eine aktuelle, optimierte Vorgehensweise abgeleitet werden kann. Der in diesem Zusammenhang überlegte Verzicht auf eine Kosten-Leistungs-Berechnung (KLR) im Saarland hätte darüber hinaus den Vorteil, dass man nicht erst 10 bis 15 Jahre Bodenordnungsverfahren bearbeiten und erfassen muss, bis das Ergebnis der KLR für die betriebswirtschaftliche Komponente vorliegt.

Die Arbeit von Cedric Jager definiert zunächst das Thema "Wertschöpfung", diskutiert die Notwendigkeit von Wertschöpfungsanalysen für die Flurbereinigung und analysiert sehr eingehend alle Entwicklungsansätze von Wertschöpfungsanalysen für Flurbereinigungsverfahren, die seit den 1960er Jahren erprobt wurden. Cedric Jager entscheidet sich schließlich dafür, auf die moderneren Ansätze von BMS, Seibert und Hinz zurückzugreifen und hieraus ein geeignetes Modell für das Saarland zu entwerfen.

Damit ein praxisnahes Ergebnis entsteht, prüft Jager im Sinne einer Leitliniendiskussion in Abstimmung mit den Verantwortlichen der Flurbereinigungsverwaltung, welche Aufgaben im Saarland in den kommenden Jahrzehnten zu lösen sein werden und welche Verfahrensarten des Flurbereinigungsgesetzes hierfür Verwendung finden sollen.

Seinen betriebswirtschaftlichen Ansätzen für die Wertschöpfungsanalyse legt Cedric Jager die Methodik zugrunde, die mit dem bundesweiten Leistungsvergleich nach Art. 91d GG für alle Bundesländer umfassend diskutiert worden war. Seine Berechnungsmethoden werden als Prognoseformeln ausgestaltet und in einem EXCEL-TOOL abgebildet. Für die Anpassung an die saarländischen Arbeitsweisen wählt er ein Expertengremium. Die Ausführungskosten können aus Vergleichsverfahren abgeschätzt werden. Für die Overheadkosten wird ein eigener Algorithmus entworfen. Zur Erfassung des volkswirtschaftlichen Teils der Wertschöpfung wählt Jager alle Komponenten der bisherigen Untersuchungen aus, die zielneutral nebeneinander genutzt werden können.

Das im EXCEL-TOOL abgebildete Wirkungsmodell wird vollständig ausgearbeitet und von Cedric Jager im saarländischen Flurbereinigungsverfahren Oberthal-Gronig angewendet und erfolgreich erprobt. Die sehr detaillierte Analyse belegt die außerordentlich geschickte Auswahl der neu zusammengestellten 34 Wertschöpfungsansätze, von denen im ausgewählten Verfahren Oberthal-Gronig in die Bewertung 30 einbezogen werden konnten. Cedric Jager schließt seine Arbeit mit der Visualisierung der Wirkungstreiber in einem Netzdiagramm.

Aufgrund der bemerkenswerten Arbeit von Cedric Jager ist es nun möglich, alle Projektuntersuchungen zur Bodenordnung im Saarland durch eine Wirkungsprognose zu begleiten und die Effizienz des Verwaltungshandelns turnusgemäß zu überprüfen. Aus dem Gesamtergebnis der bisherigen Untersuchungen wurde eine aktuelle, optimierte Vorgehensweise abgeleitet. Daher kann diese Arbeit – neben dem Praxiseinsatz im Saarland – vielfältige Anregungen liefern, wie die in den einzelnen Bundesländern eingeführten Wertschöpfungsberechnungen auf elegante Weise vervollständigt, aktualisiert und optimiert werden könnten.

In der relativ kurzen Bearbeitungszeit von 10 Wochen hat Cedric Jager damit eine wesentliche Innovation zur Wertschöpfungsprognose in der Flurbereinigung erarbeitet und bis zur Anwendungsreife entwickelt. Dies ist für eine studentische Abschlussarbeit eine außerordentlich beachtliche Leistung, die es im besonderen Maße verdient, durch den DLKG-Förderpreis 2021 hervorgehoben und ausgezeichnet zu werden.

Der Förderpreis der Deutschen Landeskulturgesellschaft wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen und erstmals vergeben, um besonders erfolgreiche Projekte in der Landentwicklung oder herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu würdigen und gleichzeitig als nachahmenswertes Beispiel vorzustellen. Die auch als Deutscher Landeskulturpreis bekannte Auszeichnung wendet sich damit sowohl an die Praxis der ländlichen Entwicklung in Deutschland als auch an junge Hochschulabsolventen mit ihren Forschungsergebnissen auf dem Gebiet der Landeskultur.

Prof. Axel Lorig, Ehrenmitglied der DLKG